Off-Campus

Die Bedeutung von Haustierversicherungen – hier und anderswo

Wann sind Haustier-Krankenversicherungen entstanden und wie haben sie sich bis heute entwickelt?

Jeder hat gewisse Vorstellungen im Kopf, wenn das Thema „Versicherungen“ aufkommt. Aber stimmen diese wirklich mit der Realität überein?

Im Kern geht es um das Versprechen, einen bestimmten Verlust, Schaden oder eine Krankheit finanziell zu kompensieren. Als Gegenleistung zahlt der Versicherungsnehmer vorab eine Prämie.

Die Bandbreite der Vertragsarten, Gebühren und Deckungen ist dabei scheinbar grenzenlos.

Obwohl es bereits aus dem 19. Jahrhundert Berichte über Versicherungen von Nutzvieh gibt, sind Krankenversicherungen für Hobby- und Liebhabertiere geschichtlich gesehen weit jünger.

Der erste Hund wurde 1924 in Schweden versichert. Kurz danach wurden erste Versicherungen im Vereinigten Königreich angeboten. Bis heute sind diese beiden Länder Vorreiter in Bezug auf Haustier-Krankenversicherungen. Prozentual sind hier die meisten Haustiere versichert. Inzwischen bietet eine Vielzahl von Versicherungsunternehmen in diesen Ländern ein breites Spektrum von Optionen an.

Schätzungen zufolge haben aktuell mehr als 25% aller Haustiere im Vereinigten Königreich einen Versicherungsschutz für den Krankheitsfall.

Obwohl in vielen Regionen der DACH-Länder die Haftpflichtversicherung von Haustieren sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, war die Akzeptanz von Haustier-Krankenversicherungen bislang vergleichsweise zurückhaltend.

Die Auswahl an Unternehmen, die einen umfassenden Versicherungsschutz anbieten, ist  begrenzt, die der Kunden ebenfalls. Berichten zufolge liegt die Anzahl der versicherten Hunde und Katzen hier bei etwa 2%.

Die Ursachen für diese signifikanten Unterschiede sind komplex. Im Vordergrund stehen Faktoren wie die Einstellung der Haustierhalter*innen zu zum Thema Tiergesundheit und die Verfügbarkeit von verlässlichem Versicherungsschutz, aber auch die alltägliche Wahrnehmung der Vorteile einer Versicherung.

 

Der erste Faktor, die Sorge der Tierhalter*innen um die Gesundheit ihrer Lieblinge variiert zwischen dem Vereinigten Königreich, Skandinavien und Deutschland kaum. Vielmehr werden Haustiere in all diesen Ländern immer stärker als ernstzunehmende Mitglieder der Familie wahrgenommen und ihre Gesundheit sowie ihr Wohlbefinden haben eine hohe Priorität. Daher muss nach weiteren Gründen gesucht werden, aus denen der Wunsch, dem Haustier im Bedarfsfall die bestmögliche medizinische Versorgung zu garantieren, nicht in einer höheren Nachfrage nach Krankenversicherungen für Haustiere resultiert. Speziell in Deutschland ist dies auffällig, da hier auf anderen Gebieten eine besonders hohe „Versicherungskultur“ herrscht und viele verschiedene Versicherungen dazu dienen, Eigentum, Gesundheit und Lebensstil absichern.

So ist davon auszugehen, dass der geringe Anteil versicherter Haustiere eher auf die anderen beiden Faktoren zurückzuführen ist, also der Verfügbarkeit bezahlbarer und umfangreicher Versicherungsoptionen und der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Vorteile. Versicherungsunternehmen stehen daher vor der Aufgabe, mit ihren Angeboten und ihrer Verlässlichkeit dafür zu sorgen, Vertrauen in ihre Angebote und Abläufe aufzubauen.

Als Haustier-Krankenversicherungen in England noch ein relativ neues Phänomen waren, mussten sich Versicherer dort denselben Herausforderungen stellen. Professor Dick White praktiziert seit vielen Jahren in England und ist nun Mitbegründer einer neuen deutschen Haustierversicherung  (Smart Paws GmbH). Er erinnert sich: „In den ersten Jahren waren Haustierhalter*innen unsicher, ob es sich lohnt, eine monatliche Prämie zu zahlen um sich vor der vagen Möglichkeit unerwarteter Tierarztkosten abzusichern. Doch je umfangreicher und präziser Diagnosetechniken und Behandlungsoptionen in der Veterinärmedizin werden, desto teurer werden sich auch. Und mit steigenden Kosten für die optimale Versorgung wuchs das Interesse der Tierhalter*innen an Versicherungen. So stieg die Nachfrage nach seriösen Unternehmen, die Tierarztrechnungen verlässlich begleichen, ohne sich hinter komplizierten Klauseln zu verstecken. Das Angebot an Versicherungen stieg und es entstanden positive Beziehungen zwischen Versicherungsunternehmen und der Tierärzteschaft. Unter diesen Voraussetzungen konnten sich anschließend auch die Unternehmen weiterentwickeln, um mit dem veterinärmedizinischen Fortschritt mitzuhalten.“

Im Vereinigten Königreich und in Skandinavien werden Versicherungen von Tierärztinnen/Tierärzten inzwischen routinemäßig empfohlen, da auch sie stark davon profitieren, wenn ihren Kunden ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um für die optimale Versorgung ihrer Haustiere zu bezahlen. Die Zufriedenheit, den Patienten mit den besten Mitteln helfen zu können, ist ein Aspekt, die Zufriedenheit der Kunden ein weiterer. Außerdem werden die Abläufe bei der Versorgung reibungsloser. Aber es die Krankenversicherung sorgt auch für ein verlässliches Einkommen für das Unternehmen, insbesondere wenn die Versicherungen Rechnungsbeträge direkt an die Praxis oder Klinik zahlen.

Zusätzlich hat es sich gezeigt, dass Versicherungen die Hemmungen der Tierhalter*innen senken, beim Auftreten von Krankheitssymptomen oder bei Verletzungen frühzeitig die Tierärztin/den Tierarzt aufzusuchen.

So erhalten Tierärztinnen und Tierärzte die Möglichkeit, zu einem frühen Zeitpunkt einzugreifen, anstatt erst hinzugezogen zu werden, wenn die Krankheit fortgeschritten ist und die Chancen auf eine komplikationslose Heilung bereits schlechter stehen.

Durch die Ermutigung zu regelmäßigen Routineuntersuchungen können Versicherer auch die persönliche Beziehung zur Tierärztin/zum Tierarzt sowie die Treue zur Praxis oder Klinik unterstützen.

Die Erfahrung in anderen Ländern hat gezeigt, dass Tierhalter*innen Versicherungen gegenüber aufgeschlossener sind, wenn sie durch ihre Tierärztin/ihren Tierarzt empfohlen werden. Daher spielt die Aufklärung der Tierhalter*innen durch die Tierärztin/den Tierarzt eine große Rolle bei der Entwicklung der Versicherungen.

Die positiven Erfahrungen der Versicherungen im Vereinigten Königreich und in Skandinavien zeigen die klaren Vorteile für unsere tierischen Patienten, unsere menschlichen Kunden und uns Tierärztinnen und Tierärzte.

Aus diesem Grund lohnt es sich, einen Blick auf die Herausforderungen zu werfen, die der Entwicklung von Vertrauen gegenüber Versicherungsservices in Deutschland noch im Wege stehen. Diesen interessanten Punkt behandeln wir im nächsten Artikel dieser Reihe.

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