Off-Campus

Ausgerechnet Finnland

Mein PJ begann im Oktober nicht auf dem Schlachthof oder in einer Praxis, sondern mit einem Flug in den Norden. Helsinki, Finnland. Das Land der Nordlichter, Rentiere, Saunas und des weltweit höchsten Pro-Kopf-Kaffeeverbrauchs.

Warum ausgerechnet Finnland? Das habe ich mich wahrscheinlich genauso oft selbst gefragt, wie mir diese Frage von entsetzten Freunden und Familienmitgliedern gestellt wurde. Zugegeben, Finnland ist ein etwas außergewöhnliches Reiseziel für mich, die ansonsten eher nach der Temperatur als Hauptkriterium auswählt (je höher, desto besser).

Aber ich wollte auch nicht des Klimas wegen nach Finnland. Die Universität Helsinki hat großartige Forschungseinrichtungen, eine veterinärmedizinische Fakultät mit einem guten Ruf und betreibt naturwissenschaftliche Forschung auf sehr hohem Niveau. Da wollte ich hin.

 Meine Arbeitsgruppe war der veterinärmedizinischen Pathologie angegliedert und bestand aus 3 Biologen und einer Tierärztin. Diese begrüßte mich erst mal mit einem perfekten Deutsch – Überraschung! Was ich vorher nicht wusste: gleich drei Tierärztinnen der Pathologie haben entweder an der TiHo studiert oder promoviert und sprechen daher alle ziemlich gut deutsch. Mit dem Rest habe ich mich auf Englisch verständigt – Finnisch so richtig zu lernen, dafür hat die Zeit einfach nicht gereicht.

 Die ersten Wochen habe ich in erster Linie damit verbracht, Labortechniken zu lernen und zu üben: wie man Zellen passagiert und sich um die Zellkulturen kümmert, wie man Immunfluoreszenzfärbungen anfertigt und mit dem Fluoreszenzmikroskop umgeht, immunhistochemische Techniken, Western Blot, RNA-Transfektionen, Verarbeitung von Biopsien

Grundlegende Techniken eben, die im Tiermedizinstudium nun mal für die meisten Studierenden eher uninteressant sind.

 Sobald ich mich in den Labors einigermaßen zurecht gefunden habe, bekam ich auch schon mehr und mehr eigene Aufgaben, die ich eigenständig durchführen konnte. Ein ganz eigenes Projekt hatte ich aus Zeitgründen nicht, sondern habe an den Teilprojekten meiner Kollegen mit gearbeitet (das Forschungsthema lautete cell generated forces in cancer). Natürlich stand bei Fragen immer jemand zur Verfügung, aber ansonsten konnte ich ziemlich in Ruhe meine Experimente durchführen und meine Krebszellchen in der Zellkultur verhätscheln. 

Wenn meine Kollegen etwas Spannendes auf dem Tagesplan hatten, wurde ich immer gefragt ob ich mir das mal anschauen möchte – natürlich wollte ich! Ein solches Highlight war dann zum Beispiel die fluoreszenzaktivierte Durchflusszytometrie – ein riesiges (und unfassbar teures) Gerät, das es tatsächlich in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit schafft, einzelne Zellen nach Art der Zellen zu sortieren!

 Da wir ja der Pathologie angegliedert waren, gehörte zum Tagesgeschäft der Pathologinnen auch das Unterrichten der Studierenden sowie die Sektionen von eingeschickten Tieren zur Diagnostik. 

Auch hier wurde ich gefragt, ob ich mitmachen will – wollte ich. So wurde ich dann kurzerhand zu einer Gruppe Tiermediziner gesteckt, die gerade Sektionsübung hatten und konnte meine Sektionsfähigkeiten noch ein wenig aufbessern.

 In Helsinki wird in ziemlich kleinen Gruppen unterrichtet und es gibt pro Semester auch nur ca. 70 Tiermediziner. Ganz schön, finde ich – man kennt sich untereinander, und jeder Studierende bekommt eine recht intensive Betreuung durch die Dozenten (die übrigens mit Vornamen angesprochen werden).

Vielleicht lag es an der Kälte und der Dunkelheit – ich hatte das Gefühl, die Menschen rücken im Winter alle ein wenig näher zusammen. Ich wurde wirklich freundlich aufgenommen und immer wieder gefragt, ob ich denn mit de Dunkelheit zurecht kommen (offenbar führt das bei Ausländern des Öfteren zu Verzweiflung). Für eine kleine Pause mit Kaffee und einer Pulla (süßes Stückchen) ist zwischendurch immer Zeit und so hatte ich auch immer wieder Gelegenheit, mich mit meinen Kollegen zu unterhalten und Einiges über die finnischen Eigenheiten zu erfahren.

Warum man in der Sauna einen Filzhut trägt zum Beispiel, oder warum die Straßenschilder in Helsinki alle zweisprachig sind.

 Am Ende waren die zwei Monate Praktikum dann viel zu schnell wieder vorbei. Es war eine wundervolle Zeit an einer tollen Uni mit zu viel Kaffee und gerade genug Sauna!

 (P.S. Die Universität Helsinki ist eine Partneruni der TiHo. Man kann dort sowohl ein Erasmus-Semester als auch ein Erasmus-Praktikum im PJ machen. Neben einem Forschungspraktikum, so wie ich es gemacht habe, gibt es z.B. auch die Möglichkeit eine Klinikzyklus zu absolvieren. Falls du dich dafür interessierst, schreib mir gerne eine Mail: mona.zimmermann@tiho-hannover.de)

Artikel von Mona Zimmermann

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