Off-Campus

Können wir es uns leisten, ohne Versicherungen zu arbeiten?

In unseren letzten Artikeln haben wir gesehen, dass Haustier-Krankenversicherungen in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) mit weniger Enthusiasmus angenommen werden als in anderen Ländern. Ebenso haben wir uns mit den Ursachen dafür beschäftigt.

Aber es ist nicht nur sinnvoll, die Ursachen zu analysieren. Vielmehr lohnt es sich, einen Blick auf die Möglichkeiten zu werfen, die uns Krankenversicherungen für Haustiere bieten und in diesem Sinne auch auf die Gründe, aus denen sich viele Haustierhalter für eine Versicherung entscheiden:

  • Durch Versicherungen sorgen wir dafür, dass unsere Haustiere im Fall einer Verletzung oder Erkrankung ohne Diskussionen um Geld die bestmögliche tierärztliche Versorgung bekommen.
  • Durch Versicherungen stellen wir sicher, dass weder Tierhalter in Schwierigkeiten geraten noch Tierärzte finanzielle Einbußen erleiden, wenn die tatsächlichen Kosten für eine Behandlung die anfangs geschätzten Kosten übersteigen.

Als Tierhalter sind wir auf kleinere Zwischenfälle wie gelegentlichen Durchfall oder Parasitenbefall eingestellt, die veterinärmedizinische Versorgung benötigen. Eine Versicherung wird dagegen immer dann plötzlich und dringend nötig, wenn schwere Verletzungen oder Erkrankungen auftreten, mit denen im Voraus nicht zu rechnen war – oder von denen man sich erhofft hat, dass sie nie eintreten. Denn diese kommen oft aus dem Nichts heraus und verursachen häufig hohe Kosten.

Ein Beispiel für einen solchen Vorfall ist der Mischlingsrüde Pogy. Ursprünglich kommt er aus Rumänien. Hier wurde er als Streuner von einer Tierschutzorganisation aufgegriffen, die ihn dann zur Adoption ins Land brachte.

Den Start in der neuen Familie meisterte er mit Bravour. Er zeigte sich als verschmustes Kerlchen, das sich von Beginn an begeistert und lernwillig trainieren ließ. Auch mit dem Bearded Collie, der vorher schon in der Familie gelebt hatte, verstand er sich auf Anhieb.

Nach einigen Monaten mussten die beiden Hunde abends einige Stunden allein zu Hause verbringen, während ihre Halter Freunde besuchten.

Pogy hielt das leider für eine gute Gelegenheit für einen Ausflug. Irgendwie schaffte er es, über das Sicherungsgatter vor der Treppe zu klettern, um so in ein Schlafzimmer in der oberen Etage zu gelangen. Hier stand leider das Fenster offen, aus dem er über 4,5 Meter in die Tiefe auf die gepflasterte Terrasse sprang oder fiel.

Zu seinem Glück hielten sich die direkten Nachbarn im Garten auf und hörten sein Aufjaulen, als er unten ankam, auch wenn sie es nicht direkt beobachten konnten. Sie informierten die Hundehalter, die eigentlich nur sicherheitshalber zurückkehrten, da sie beide Hunde sicher in der unteren Etage wähnten und es zunächst für eine Fehlinformation hielten. Sie fanden Pogy winselnd im Garten liegend, informierten geschockt ihren Tierarzt und machten sich gleich auf den Weg.

Pogy wurde stationär aufgenommen und stabilisiert. Die Röntgenaufnahmen zeigten komplizierte Frakturen im linken Hinterbein. Das Bein wurde mit Hilfe von Verbänden bis zum nächsten Tag notdürftig stabilisiert, damit Pogy am nächsten Morgen zu einem Spezialisten transportiert werden konnte.

Dort wurde neben weiteren Röntgenaufnahmen auch ein CT angefertigt, um eine ungewöhnliche Splitterfraktur des linken Femur genauer darzustellen. Der CT-Scan zeigte, dass eine der Frakturlinien weit nach proximal fast bis ins Hüftgelenk zog. Konventionelle Schrauben kamen wegen dieser Frakturlinie nicht in Frage. Aufgrund dieser Umstände entschied sich das Expertenteam für den Einsatz einer neuartigen Locking Plate, die den Einsatz von kürzeren Schrauben erlaubte, die keine Auswirkungen auf die Frakturlinie haben sollten. Die schwierige Operation verlief wie geplant.

Sehr zur Freude seiner Halter erholte sich Pogy trotz der komplizierten Operation erstaunlich schnell. Einige Tage später konnte er nach Hause zurückkehren, auch wenn er weitere 7 Wochen unter Käfigruhe gestellt wurde.

Pogys Frauchen war extrem zufrieden, dass sie sich ohne weitere Bedenken für die komplette Abklärung und anschließende fortschrittliche Versorgung durch die Spezialisten entscheiden konnte.

Ebenso war sie erleichtert, dass der weitaus größte Teil der Rechnung, die sich auf annähernd 7.000 € belief, von der Versicherung übernommen wurde. Die Familie musste dafür weder auf ihr Erspartes zurückgreifen, noch mussten vorab komplizierte Ratenzahlungsbedingungen mit der Klinik ausgemacht werden.

Für Pogys Frauchen war die Situation zunächst schlimm gewesen. Aber sie hätte sich wohl zu einem wahren Alptraum entwickelt, wenn sie finanzielle Einschränkungen gehabt hätte, als sie über die diagnostischen Methoden und die Art der chirurgischen Versorgung entscheiden musste.

Auszug aus dem CT-Scan, der die Frakturlinie bis fast zum Hüftgelenk zeigte

Röntgenaufnahme 6 Wochen post operationem, die die Durchblutung des Knochens zeigt

Pogy mit seinem besten Freund, nach der vollständigen Ausheilung der Fraktur

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