Off-Campus

How to Lola

Unverpackt einkaufen heißt: leere Gefäße mitbringen oder im Laden snatchen, dann auffüllen, dann den Inhalt an der Kasse bezahlen – soweit, so einfach. Doch was steckt dahinter? Wie kommt die Ware beispielsweise in den Laden? Sicher nicht in der hohlen Hand. Und sicher auch nicht in 500g-Beutelchen, die dann klammheimlich in die Spender gekippt werden. Und wie werden die Großgebinde hinterher entsorgt? Entsteht dabei weniger Müll als durch lauter kleine Verpackungen? Werden sie recycelt oder gar wiederverwendet? Sind die Waren selbst frei von Plastik, Palmöl, Pestiziden? Werden sie ethisch vertretbar hergestellt? Bilden die Preise die true costs ab? Wie könnt ihr Käse und Wurst verkaufen, wo doch die Tiere gequält werden? Kurzum: seid ihr aufrichtig, oder betreibt ihr greenwashing oversize?
Morgenroutine: Auffüllen der LolaBins


Diese und noch viele weitere Fragen beackern wir in unseren wöchentlichen Teamsitzungen. Jedes neue Produkt wird hinterfragt, jeder neue Lieferant unter die Lupe genommen. Die wichtigste Frage dabei: wie weit geht unsere Kompromissbereitschaft? Beispielsweise Kaffee: unser sailed coffee wird fair und in Bioqualität in einer Genossenschaftsstruktur produziert und im Voraus bezahlt, quasi long distance SoLaWi. Dann wird er per Frachtsegler nach Antwerpen verschifft, also emissionsfrei. Von dort geht es weiter per LKW, also mit Diesel und Reifenabrieb. Ethisch vertretbar? Auf jeden Fall! Denn es gibt noch keine Struktur für alternative Lastentransporte auf der Straße. Aber alle anderen Parameter sind top. Das Produkt ist natürlich ziemlich teuer, so dass ihn sich nicht alle Menschen leisten können. Alternativ bieten wir einen relativ günstigen fairtrade bio Kaffee von einer lokalen Rösterei an. Moment mal, ist das nicht die mit dem fragwürdigen Logo mit dem rassistischen Habitus? Stimmt. Aber nach hartnäckiger Intervention hat Machwitz nun das Logo geändert. Geht doch!

Frachtsegler Avontuur aus Elsfleth bei Bremen

Beispiel Waschmittel: Nach jahrelangen Verhandlungen ließ sich Sonett darauf ein, ihre 25-Liter-Kanister zurückzunehmen. Mehr noch, sie entwickeln neue Strukturen und Maschinen, um die Kanister zu reinigen oder, falls der Zustand der Kanister das nicht zulässt, sortenrein zu recyceln. Dafür nimmt Sonett sehr viel Geld und WoManPower in die Hand. Bis dahin mussten wir die Kanister zähneknirschend zum Recyclen geben, was ja bekanntermaßen in Deutschland kaum funktioniert (nach Malaysia exportierter Plastikmüll gilt formal als recycelt). Nun jedoch ergibt sich im Verbund mit den anderen Unverpackt-Läden eine nachhaltige Alternative, weil Sonett mitspielt.

Beispiel Bioplastik: Der Begriff ist nicht geschützt. Durch unseren Verband haben wir alle veganen Bio-Zahnseiden auf dem Markt analysieren lassen. Ergebnis: alle hatten einen erheblichen Anteil an fossilen Kohlenstoffen, bis zu 40%. Deshalb findest du bei Lola nur Bioplastik, das seinem Namen gerecht wird. Die Borsten unserer Zahnbürsten sind aus Rizinusöl, die Borsten der Spülbürsten aus Fibre (Agaven). Die Dichtungen unserer LolaBins oder der Brotdosen sind aus Silikon, was per se frei von Erdöl ist und sich ausgezeichnet recyceln lässt.

Bambus mit Borsten aus Rizinusöl

So prüfen wir jedes Produkt auf seine Umwelt- und Gemeinwohltauglichkeit. Die Wurst stammt von Gallowayrindern, die ganzjährig in Herden über die Wiesen des Weserberglandes ziehen. Die Milch kommt von Weidekühen einer regionalen Hofmolkerei, in der auch Joghurt und Quark gemacht werden. Viele Frischeprodukte kommen aus der Region und werden mit unserem Lastenrad von den hannoverschen Wochenmärkten abgeholt. Unser ganzes Sortiment hat den Ethikcheck bestanden. Wenn wir Kompromisse machen, dann können wir sie gut begründen.

Und unser eigener Müll? Klar entsteht bei den Mengen, die wir umsetzen, auch Verpackungsmüll. Er besteht zu 90% aus Papier/Pappe und zu 10% aus Kunststoffen. Was nicht im Pfandsystem zurück gehen kann, entsorgen wir weitgehend selbst, und zwar fachgerecht und auf eigene Rechnung. Die Kosten sind eingepreist. Es entsteht aber auch unnötiger Müll aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Beispielsweise sind wir verpflichtet, Kassenbons auszudrucken, selbst wenn unsere KundInnen sie nicht haben wollen. More brains, please…

gesammelte Bons aus 2019

Lola ist nicht billig. Die Preise sind aber auch nicht höher als beim herkömmlichen Biomarkt um die Ecke. Da ihr nur so viel einkauft, wie ihr wirklich braucht, ist es oft sogar ziemlich günstig – und sorgt dafür, dass ihr praktisch keine Lebensmittel mehr wegwerft. Und für Studierende und Azubis, die in der Regel nicht mehr im Hotel Mama wohnen, gibt es jeden Montag einen knackigen Rabatt – 20% auf alle Lebensmittel.

Tipps und Tricks findet ihr auf unserem Youtube-Kanal, den wir regelmäßig mit neuen Ideen füttern.
Und natürlich unter…

Ein Gedanke zu „How to Lola“

  1. „Alternativ bieten wir einen relativ günstigen fairtrade bio Kaffee von einer lokalen Rösterei an. Moment mal, ist das nicht die mit dem fragwürdigen Logo mit dem rassistischen Habitus? Stimmt. Aber nach hartnäckiger Intervention hat Machwitz nun das Logo geändert. Geht doch!“

    Hallo, woher genau stammt diese Information? Gibt es dazu eine Stellungnahme vom Produzenten? Wenn ich in anderen Läden einkaufen gehe, sehe ich immer noch die Verpackungen mit dem alten rassistischen Logo.

    Viele Grüße

    Ina

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