Rezensionen

Rezension „Ökologische Landwirtschaft“

Ökologisch = Biologisch = Regional!
Oder etwa doch nicht?
Bist du bereit mehr Geld für die teurere „Bio“-Variante auszugeben und „bringt das
überhaupt etwas“?
Mit diesen und noch viel mehr spannenden Fragen in Bezug auf Produktion und
Vermarktung ökologischer Lebensmittel beschäftigen sich die Autor/innen des Lehrbuches „Ökologische Landwirtschaft“, welches als 2. überarbeitete Auflage im Jahr 2022 von der UTB-Arbeitsgemeinschaft herausgegeben wurde.
Hierbei wird sowohl auf die Produktion von tierischen und pflanzlichen Produkten, als auch auf Naturschutz und Klimawandel sowie Betriebswirtschaft und Marketing eingegangen.
Grob lässt sich das Buch in drei Teile gliedern.

Der erste und umfangreichste Abschnitt gibt einen Überblick über die Verhältnisse in den gemäßigten Klimazonen, wobei die einzelnen Abschnitte jeweils von Expert/innen des jeweiligen Themas geschrieben sind. Dies führt dazu, dass die Unterkapitel zwar in sich schlüssig sind, der Schreibstil jedoch recht uneinheitlich ist und mir an einigen Stellen Quervernetzungen zu vorangegangen Themen fehlen.
Mich haben in diesem Abschnitt besonders die Kapitel zur tierischen Erzeugung und
Biodiversität interessiert.
Durch Tabellen und Graphiken werden, auch bei wenig Lesezeit, die in den Texten
ausführlich erklärten Zustände auf einen Blick deutlich. Ein Beispiel hierfür sind die
Mindestanforderungen an Haltung und Fütterung in der ökologischen, gegenüber der
konventionellen Milchrinderhaltung.
Wusstet ihr zum Beispiel, dass einer Milchkuh laut EU-Öko-Verordnung eine Fläche von nur etwa 10,5 m2 zusteht und dies in der konventionellen Haltung gar nicht gesetzlich
vorgegeben ist (Grundlage: Tierschutz-Nutztierverordnung)?
Klar wird hier vor allem eines: Auch wenn ich die Milch in meinem Kaffee aus einer
ökologischen Haltung kaufe, heißt dies nicht zwingend, dass die Kühe „glücklich“ und „frei“ auf der Weide grasen können.
Dass die EU-Öko-Verordnung lediglich Mindestanforderungen an das Tierwohl und den
Naturschutz stellt, welche in der konventionellen Haltung gesetzlich teils gar nicht
festgehalten sind, wird von einigen der Autor/innen an mehreren Stellen hervorgehoben.
Weiter geht’s mit dem Kapitel „Biodiversität“. Was ist das eigentlich?
Biodiversität oder biologische Vielfalt ist dem Autor Tobias Döring zur Folge, die Variabilität unter lebenden Organismen und umfasst hierbei sowohl die Artenvielfalt, als auch die Vielfalt der Ökosysteme. Der Autor nimmt hierbei eine recht neutrale Haltung in Bezug auf den Artenschutz ein und stützt seine Argumentation auf aussagekräftige Zahlen.
Fakt ist, dass die Arten- und Individuenanzahl im Ökolandbau rund 30% höher als im
konventionellen Anbau ist. Allerdings ist Döring zu Folge die ökologische Landwirtschaft kein Garant für mehr Biodiversität, sondern lediglich eine gute Grundlage.
Dies ist für mich insgesamt ein großer Pluspunkt des Buches, da die Autor/innen sich zwar prinzipiell für die ökologische Landwirtschaft aussprechen, gleichzeitig aber auch deren Schwachstellen und Grenzen aufzeigen.
Im zweiten großen Abschnitt verlassen wir die gemäßigte Klimazone und ziehen in Richtung Äquator- in die (sub-)tropische Bereiche.
Auch hier wird, wie bereits im vorangegangenen Kapitel, auf die Produktion pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel eingegangen, auf welche ich hier nicht stärker eingehen möchte (würde den Rahmen dieser Rezension sprengen).
Am interessantesten fand ich das Unterkapitel über den internationalen Handel von
Ökoprodukten. Das ernüchternde Problem: Es gibt keine weltweit einheitlichen Regeln für die Produktion und Verarbeitung von Öko-Produkten, welches den Betrug über die Vermischung ökologischer und konventioneller Wahre für die Produzent/innen leider recht attraktiv macht.
Im letzten Abschnitt werden noch kurz die geschichtlichen Aspekte und Zertifizierungen
thematisiert.

Abschließend betrachtet habe ich das Buch wirklich gerne gelesen und viel Neues gelernt!

Für unser Studium sind sicherlich nicht alle Kapitel in Bezug auf Prüfungen relevant,
um den persönlichen Horizont zu erweitern allerdings allemal lesenswert.
Aus diesem Grund empfehle ich ein Lesen des Buches vollkommen!

Was lässt sich abschließend in Bezug auf die oben gestellten Fragen sagen?
Der Öko-Landbau geht noch weiter als der Bio-Landbau, indem das gesamte Ökosystem
berücksichtigt wird. Ökologisch ist nicht gleich regional!
Wir sollten uns allerdings fragen, ob „Bio“ regionaler werden sollte.
Ob du dazu bereit bist, mehr Geld für zertifizierte Bio/Öko-Produkte auszugeben, solltest du selbst entscheiden. Eine gute Informationsquelle zur eigenen Meinungsbildung habe ich nun ausführlich vorgestellt ☺.


Rezension von Jasmin Schneeweis
„Ökologische Landwirtschaft“
Michael Wachendorf ,Andreas Bürkert, Rüdiger Graß
UTB-Arbeitsgemeinschaft, 2. Auflage 2022
ISBN: 9783825248635
Preis: 38,00,-

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